20 Jahre Natur vor der Haustür

Annette Hasselmann ist Geschäftsführerin des GEO-Tag der Natur e.V.  Hasselmann war bereits beim ersten GEO-Tag dabei und erinnert sich:

 

“Die Idee war geklaut. Allerdings mit dem ausdrücklichen Einverständnis der Urheber. Das waren der Biodiversitätsforscher E.O. Wilson und Peter Alden, die 1998 ein Waldreservat bei Boston mit einer fröhlichen Gruppe von Experten unter die Lupe nahmen. Das Ziel: möglichst viele lebende Arten zu finden und zu bestimmen.

 

Zufällig mit dabei war der damalige GEO-Redakteur Reiner Klingholz, der ein Portrait über Wilson schreiben wollte. Klingholz war von diesem „Biodiversity Day“ so begeistert, dass er – zurück in Hamburg – der GEO-Redaktion vorschlug, so etwas auch in Deutschland zu veranstalten.

 

Wie bei der Aktion in Massachusetts sollte es nicht um nüchterne Forschung gehen, sondern um Spaß und Begegnung, Entdecken und Kennenlernen der faszinierenden Vielfalt vor unserer Haustür.

 

Gesagt getan! Ein Jahr später fand der erste „GEO-Tag der Artenvielfalt“ mit 102 Experten südlich von Lübeck statt. Und trotz Regen und Kälte wurde die Aktion ein voller Erfolg. Die Stimmung war großartig und die Experten bewiesen eine beeindruckende Wetterresistenz.

 

Selbst von der Abschlussparty zogen noch einige Käferexperten mit Taschenlampen in den angrenzenden Wald, um einen seltenen Bockkäfer aufzustöbern.”

So fing es an, am 5. Juni 1999. Am Ende des ersten „GEO-Tages der Artenvielfalt“ an der Wakenitz bei Lübeck standen 2066 Arten auf der Liste, und ein weiterer Plan wurde gefasst: diese Aktion von nun an zur ständigen Einrichtung zu machen.

 

Jedes Jahr aufs Neue so viele Menschen wie möglich einzuladen, die Natur vor der Haustür zu entdecken; zu zeigen, dass Biodiversität nicht nur im tropischen Regenwald zu erleben ist, sondern auch in der dicht besiedelten, intensiv genutzten Landschaft Mitteleuropas.

 

Zwergfledermaus und Riesenbovist, Hundszunge und Alpenglöckchen, Blauflügelige Prachtlibelle und Dottergelbes Flechtenbärchen: Sowohl die Namen als auch die Geschöpfe, die sie bezeichnen, waren lange nur einer Handvoll Spezialisten geläufig.

 

Kaum ein Lebensraum, der im Rahmen des GEO-Tages unerforscht geblieben wäre: Feuchtgebiete und Flussläufe zählten dazu, Trockenrasen und Hochgebirgsalmen, der Nationalpark Bayerischer Wald ebenso wie fränkische Truppenübungsplätze und die Industriebrachen des Ruhrgebiets.

 

Das hat sich geändert – dank der vielen Tausend, die in den vergangenen 19 Jahren dem Aufruf zum „GEO-Tag der Natur“, wie er seit 2017 heißt, gefolgt sind. Unter ihnen waren Kirchengemeinden und Kindergartengruppen, Schul-AGs und Naturschutzvereine, Doktoren der Biologie und – die große Mehrheit – ehrenamtliche Vogel-, Pflanzen-, Schnecken-, Spinnen-, Insekten-, Amphibien- und Pilzkundler.

 

Danke euch allen!

Alle GEO-Tage seit 1999; dokumentiert im Magazin GEO