Rückblick I auf den GEO-Tag 2019: Einen guten Fang gemacht

Sechs jugendliche Nachwuchsforscher stehen im Bach und keschern Krebse, Fische und Larven: eine Entdeckungstour mit Erkenntnisgewinn

 

Mit viel zu großen Gummistiefeln und einem Kescher steht Johannes, 11, im Bach und lauert auf ein Zeichen von Sebastian. „Drei, zwei, eins“ zählt der 14-Jährige und reißt den Stein mit einem Ruck hoch. Mit dem Kescher wedelt Johannes durch das aufgewühlte Flussbett.

 

 

Die Jungs starren in das Gewühl aus Matsch, Blättern und Zweigen. „Ich hab einen!“, ruft Johannes und stakst zurück ans Ufer. Vor dem Aquarium blickt er fragend zu Sebastian: Wie den Krebs aus dem Kescher nehmen, ohne gekniffen zu werden? Sebastian greift zwischen Kopf und Rumpf des Tieres und versenkt es im Aquarium. Es ist ein aus Nordamerika eingeschleppter Kamberkrebs, Überträger der Krebspest, die einheimische Flusskrebse an den Rand der Ausrottung gebracht hat.

 

Ihr erster Fang an diesem Tag. Im Laufe der nächsten drei Stunden werden sie mit weiteren Kindern das Aquarium am Kaltenbrunnertal nahe Neustadt an der Weinstraße mit allerlei Tieren füllen. Wanderer bleiben stehen und staunen, was sich alles so im Bach tummelt. Sebastian ist „Nachwuchs- Teamleiter“ bei „Sielmanns Natur-Ranger“, der Jugendorganisation der Heinz Sielmann Stiftung, die den GEO-Tag der Natur großzügig fördert. Seit seinem sechsten Lebensjahr aktiv, hat Sebastian schon viel Wissen erworben, das er nun an die Jüngeren weitergibt.

 

 

Die zehnjährige Anika, ziert sich zuerst, den Krebs zu berühren – dann traut sie sich doch: „Der ist ja ganz rau!“

 

„Was fressen die?“, fragt Julius.

 

„Bachflohkrebse, kleine Fische und Aas“, antwortet Sebastian und lässt alle durch eine Lupe gucken.

 

Nach einer Weile triumphiert Julian: „Ich hab Gold gefunden!“

 

Sebastian korrigiert: „Ich vermute, das ist Glimmer aus einem Granitbrocken.“

 

Es ist Zeit, die Striche auf dem Papier neben dem Aquarium zu bilanzieren: Die Gruppe hat 7 Krebse, 6 Forellen, 2 Saiblinge, 1 Köcherfliegenlarve und zig Bachflohkrebse gefangen – und entlässt sie wieder in die Freiheit.

 

 

Tilman Wörtzerschienen zuerst in GEO 9/2019
Foto: (c) GEO/F.Schmitt