Die DDA-Birdracer: bundesweit Zählen auch für den GEO-Tag der Natur

Feldlerche: minus 35 Prozent. Braunkehlchen: minus 63. Rebhuhn: minus 84. Seit 1980 hat Europa rund ein Fünftel seines gesamten Vogelbestands verloren, rund 421 Millionen Individuen; bei den Vögeln der Agrarlandschaft beträgt der Rückgang sogar mehr als die Hälfte. Von den 258 Vogelarten, die in Deutschland heimisch sind, weisen 141 sinkende Populationen auf.

 

Diese Zahlen sind alarmierend. Aber es ist ein Glück, dass es sie gibt. Denn Natur und Artenvielfalt lassen sich auf Dauer nur dann wirksam schützen, wenn es “harte” Daten über ihren Zustand gibt, wenn ihre Entwicklung über viele Jahre beobachtet und systematisch dokumentiert wird.

 

Das geschieht längst nicht bei allen Tier- und Pflanzenarten mit gleicher Gründlichkeit. Der dramatische Schwund von Wildbienen und anderen bestäubenden Insekten etwa war lange nur ein Verdacht, der unter Experten kursierte. Erst die Daten einer Langzeitstudie Krefelder Entomologen dokumentierten das gesamte Ausmaß des Verlusts: bis zu 75 Prozent weniger Insekten-Biomasse innerhalb von nur 27 Jahren. Seitdem diskutieren Öffentlichkeit und Politik endlich über wirksame Maßnahmen zum Schutz der Krabbel- und Flugtierchen.

 

Es gibt ein Vorbild, an dem sich alle Initiatoren künftiger Artenzählaktionen orientieren sollten: die Vogelkundler. Seit Jahrzehnten schon schwärmen jedes Frühjahr Zehntausende von ihnen europaweit aus, um alles zu notieren, was in ihrer Umgebung singt und fliegt – auf festgelegten Strecken und nach standardisierten Methoden.

 

Diese gibt, in Deutschland, der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) vor. Die in Münster ansässigen Experten, die auch schon lange zuverlässige Partner beim GEO-Tag der Natur sind, sammeln Daten über die heimische Vogelwelt und werten sie aus. Nachzulesen sind sie etwa im 2014 erschienenen Atlas Deutscher Brutvogelarten (ADEBAR), aber auch im jährlichen Bericht „Vögel in Deutschland“.

 

Der Indikator “Artenvielfalt und Landschaftsqualität” des Bundesamtes für Naturschutz stützt sich ebenso auf die DDA-Daten wie der “European Farmland Bird”-Indikator, der von der EU-Kommission als Referenz für eine nachhaltige Nutzung der Agrarlandschaft herangezogen wird.

 

Der DDA veranstaltet auch das “BIRDRACE“, bei dem jeweils am ersten Samstag im Mai Teams von drei bis fünf Vogelguckern antreten, um innerhalb von 24 Stunden so viele Arten wie möglich zu sichten oder zu hören. Auch in diesem Jahr werden knapp 300 Teams mit mehr als 1000 Teilnehmern zwischen Wattenmeer und Voralpenland unterwegs sein.

 

Es wundert also nicht, dass Hobby-Ornithologen auch beim GEO-Tag der Natur die stärkste Gruppe stellen – im vergangenen Jahr waren sie mit 302 Aktionen vertreten.

 

Wer sich durch GEO-Tag oder Birdrace angeregt fühlt, regelmäßig nach Vögeln Ausschau zu halten: Der DDA sucht noch ehrenamtliche Zähler/innen für sein Programm zum Monitoring häufiger Brutvögel. Dabei werden auf 1000 Probeflächen in Deutschland, die vom Statistischen Bundesamt ausgewählt wurden, die Populationen häufiger Arten wie Kohlmeise, Amsel oder Elster ermittelt.

 

Einzige Voraussetzung zur Teilnahme: Begeisterung fürs Beobachten, Grundkenntnisse beim Bestimmen heimischer Vogelarten und ihrer Stimmen – und die Bereitschaft, viermal im Laufe des Frühjahrs vor Sonnenaufgang aufzustehen.

 

Mehr zum DDA:  http://www.dda-web.de

Infos zum BIRDRACE finden Sie hier: http://birdrace.dda-web.de/